Easy Rider und mehrUnbegrenzte Freiheit
Spätestens seid "Easy Rider" dürfte jedem bekannt sein, dass Motorräder eine nahezu unendliche Freiheit bedeuten. Die beiden Hauptakteure Dennis Hopper & Peter Fonda reisen in dem 1969 gedrehten Film quer durch die USA und erleben schließlich am eigenen Leib, für welche Zwecke der Begriff Freiheit gebraucht werden kann. Da gibt es Hippiekommunen, rechtsradikale Vorortsschläger, und nicht zuletzt einen Anwalt, der mit einem guten Schluck Whiskey jedes Gesetz soweit dehnen kann, wie es ihm nötig scheint. Was jedoch die Wenigsten wissen: Der Film selbst wurde ähnlich freiheitlich hergestellt. Nachdem Columbia-Pictures das klägliche Budget beglaubigte, wurden mehrere Wohnwagen, einige Motorräder und viele Drogen zusammengepackt um einen unvergleichlichen Trip durch die USA zu machen. Das Drehbuch wurde komplett am Set und spontan, ohne vorherigen Plot geschrieben. Die Darsteller waren großenteils Laien, oder sogar am Highway auf gegabelte Tramper. Die Requisite waren Kleider für alle Jahreszeiten, die zum Teil von Flohmärkten gekauft wurden. Regie führte mal Denis Hopper, dann wieder Peter Fonda, und eigentlich kam erst im Scheideraum etwas zustande, was man überhaupt "Geschichte" nennen konnte. Doch nach etlichen internen Streits, Entzweiungen, und vielen, vielen Drogen war der Film endlich fertig.
Bei Yotube gibts den Film in voller Länge:
Unbegrenzte Wirkung Als das Studio Columbia-Pictures das Endwerk zum ersten Mal sah, waren die Geldgeber entsetzt. So gut wie Nichts in dem Film war in irgendeiner Weise vergleichbar mit den alt-klassischen Hollywood Filmen und man rechnete ihm geringe Chancen aus, bei dem amerikanischen Publikum zu landen. Nur wenige Kinos waren anfänglich bereit, einen so gesellschaftskritischen und kontroversen Film zu präsentieren. Da diese jedoch geringe, aber dafür kontinuierliche Besucherzahlen verzeichneten blieb der Streifen in den Lichtspielhäusern. So sollte es insgesamt anderthalb Jahre brauchen, damit "Easy Rider" einem größeren Publikum zugänglich wurde. Denn durch Mundpropaganda einiger Fans und dem wachsenden Interesse der amerikanischen Gesellschaft nach Veränderung, gelang es schließlich, die Kinos davon zu überzeugen, dass "Easy Rider" nicht nur ein intellektueller Autorenfilm war, sondern auch echtes finanzielles Potenzial hatte. Die Zahlen sprachen für sich: Die Produktionskosten lagen bei nicht mehr als 325 000 Dollar; die Einnahmen hingegen bei über 16 Millionen Dollar. Das, womit niemand gerechnet hatte, war eingetreten und brachte die Studiobosse aller Firmen dazu nachzudenken. Nicht nur, dass Produktionen wie "Easy Rider" unglaubliche Erfolge erzielten, sondern auch, dass den klassischen Hollywoodproduktionen àla "Ben Hur", "Casablanca", oder "Spartacus" immer weniger Interesse entgegengebracht wurde. Man entschied sich dazu jungen, neuen Talenten eine Chance zu geben; das "New Hollywood" war geboren. Die Vertreter dieser neuen Generation von Regisseuren dürften jedem bekannt sein: Steven Spielberg, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola um nur einige zu nennen. Aber nicht nur auf die Filmindustrie hatte "Easy Rider" großen Einfluss, auch die Motorrad-Industrie hatte durch die kultigen Bikes wieder neuen Wind bekommen. Zwar wurden im Film selbst nur 15-20 Jahre alte Auslaufmodelle verwendet, die dazu auch noch extrem umgebaut wurden, doch schon ein paar Jahre nach der Veröffentlichung verzeichneten die großen Motorrad-Hersteller eine große Nachfrage nach Choppers. Heute hat nahezu jede Firma eigene Chopper-, oder Cruisermodelle im Programm. Vergleichbaren Einfluss hatte "Easy Rider" auch auf die Modeindustrie: Die Denim-Jeans, Lederjacken, und psychedelische Kleider erhielten Einzug in die amerikanische Hippiekultur. Schon bald entwickelten sich eigene Ableger der beiden Hauptcharaktere, die ebenso mit Motorrädern durch Amerika reisten, und die Freiheit suchten; die Beat Generation war geboren, als deren Vertreter Bob Dylan, Allan Ginsberg, oder Janis Joplyn genannt werden können.
Was als kleines Indieprojekt zweier mit Drogen vernebelter Köpfe begann, sollte nach insgesamt fünf Jahren eine neue kulturelle Welle auslösen, die alle Bereiche des amerikanischen Lebens beeinflusste. "Easy Rider" bleibt nicht nur ein Meilenstein der Filmgeschichte, sondern auch eines der wenigen Kunstwerke, die ganze Epochen mitgestalteten. |
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